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| Konzert: Insane Insanity 3 |
| Band(s): Ambrosia, Legacy, Emeth, Pigsty, Verdict, Fragments Of Unbecomming, Despondency |
| Datum: 12.03.2005 |
| Stadt: Erlenbach |
Zum inzwischen dritten Mal konnten sich die Freunde extremer Musik in der Weltmetropole Erlenbach beim Insane Insanity Festival einfinden. Insgesamt sieben Bands erwarteten jeden, der es bis zur leicht außerhalb der Grenzen menschlicher Zivilisation liegenden Halle schaffte. Bei einem so umfangreichen Billing konnte sich über den Eintrittspreis von 10 Euro wirklich niemand beschweren auch wenn mir bei den meisten Bands nicht mal der Name geläufig war. Dieses Mal waren nicht nur recht umfangreiche T-Shirt-Stände sowie CDs en masse vor Ort, sogar für das leibliche Wohl wurde in Form von belegten Brötchen und Getränken gesorgt. Los ging es um etwa 17.00 Uhr mit
.:Ambrosia:.
Na ja, um die Wahrheit zu sagen haben wir es traditionell nicht zur ersten Band geschafft, wie könnte es auch anders sein, aber ich bin mir sicher die Jungs von Ambrosia waren ganz toll, des Tellers eines Gottes würdig und ewiges Leben spendend. Bestimmt...
.:Legacy:.
Für uns begann der frühe Abend mit Legacy und er begann nicht schlecht. Ordentlich von Riffs eingedeckt bekam man Death Metal mit einer gehörigen Prise Thrash. Das äußerte sich insbesondere bei der Lead-Gitarre die mehr als nur ein wenig an die Altmeister von Slayer erinnerte. Dem Sänger gelang es die Anwesenden recht schnell zu begeistern, wohl auch deshalb, weil er offenbar selbst jede Menge Spaß an der Sache hatte und bisweilen wie Rumpelstilzchen auf der Bühne herumhüpfte. Dies führte dann auch zu dem ein oder anderen Schaden an selbiger, tat dem Vergnügen jedoch keinen Abbruch. Genauso wenig wie die abwechslungsreichen Songs und die gehörige Portion Energie die in ihnen transportiert wurde, wenn in den Titeln auch gerne mal typisches á la „hate“, „death“, „kill“ usw. vorkam, aber ich erwartete ja auch nicht Goethe. Das tiefe shouten passte recht gut zum gebotenen Material und durch die ambitionierte Gestik des Frontmanns unterstützte er die jeweiligen Songaussagen auch nach Kräften. So bestand nach einem relativ langen Auftritt zu noch so früher Stunde kein Grund zur Klage. Das durfte ruhig so weiter gehen.
Mr.Vandemar
.:Emeth:.
Allerdings lenkte die folgende Band das Ruder in eine etwas andere Richtung; nämlich die, weshalb die meisten Jungs und Mädels an diesem Abend anwesend waren. Obwohl die Jungs rein von der Optik her eher an eine Hardcore Kapelle erinnerten, war spätestens nach den ersten Klängen klar, worum es hier ging. Grind/Death nach Schema F wurde hier zelebriert und entgegen denen für diese Musikrichtung notwendigen Vorraussetzungen, brachten Emeth sogar instrumentale Klasse mit, die aufgrund des dargebotenen Materials allerdings nicht oft zum Tragen kam. Tempotechnisch wurde gut variert; die Übergänge zwischen heillosem Knüppelgebretter und kurzen Midtempoeinlagen waren flüssig und paßten gut ins Konzept. Obwohl sich viele noch zurückhielten, kam hier schon so etwas wie Feierstimmung auf und ein kleiner Moshpit war auch schnell zusammengebastelt. Witzig waren die Satzfragmente, die ich aus dem „Gesang“ herauszuhören glaubte, wie z.B. : „So viele Farben - Rot.“ „Ohhh, die Hose hab verlorn'.“ „Gott ist wieder tot.“ „Alle wollen derben Rock'n Roll.“ „Bitte, bitte ein Wasser für die Sau.“ Instrumental, wie erwähnt, eine gute Sache, aber mit den Vocals solcher Formationen werde ich mich wohl nie anfreunden können. Den anwesenden Kids schien es aber gefallen zu haben, weshalb man den Auftritt der Belgier als gelungen zu Buche führen kann.
sOULiON
.:Pigsty:.
Gut, manche Leute haben eigentlich alles was man für wirklich gute Musik braucht, entschließen sich aber dann doch etwas anderes zu machen. So ähnlich empfand ich den Auftritt von Pigsty, ihres Zeichens eine Grind/Death Metal Band. Den Grind konnte man nur schwer überhören, wurde er einem doch kraftvoll um die Ohren geschlagen, aber es fehlte eine gewisse Struktur in dem Krach den man zu hören bekam. Interessant wurde der Sound aber durch die Vielzahl anderer Stilrichtungen die in die etwas langsameren Parts eingebaut waren. Sobald man mal so was wie eine Melodie zu hören bekam, wurde es durchaus auch mal sehr groovig und es stellte sich heraus, dass die Jungs an den Instrumenten richtig gut waren. Besonders der Bassist hatte mächtig was zu bieten und es wollte mir nicht in den Kopf warum sich so gute Musiker damit zufrieden geben, ab und zu mal etwas differenziertere Töne erklingen zu lassen um gleich darauf wieder im Klangbrei unterzugehen. Das Publikum hingegen war völlig begeistert und so dauerte es auch nicht lange bis im Moshpit die Hölle los war, angetrieben vom Geschrei des Sängers, welcher eher Genreübliches erschallen ließ. Begeisternd war aber auch seine Gestik, die mich an so was wie Joe Cocker auf Ecstasy erinnerte und mir doch ein Lächeln bescherte. Trotzdem, im Schweinestall ging mächtig die Post ab, und auch das muss erst mal geschafft werden. Es wurde aber nur kurz gespielt, viel länger hätten die Knochen der Dorfjugend wohl auch nicht mehr mitgemacht, es stand ja noch ein langer Abend bevor.
Mr.Vandemar
.:Verdict:.
Waren die Miltenberger Thrasher für mich das Überraschungshighlight des ersten Insane Insanity´s gewesen, überraschten sie mich diesmal nicht mehr, weil ich mich nämlich schon die ganze Zeit auf deren Auftritt gefreut hatte. Und die spielfreudige Formation, die dem Thrashmetal der alten Schule fröhnt, enttäuschte auch an diesem Abend keinen Meter. Zwar konnten Verdict auf Konserve bisher noch nicht den großen Vogel abschießen (was sich mit dem nächsten Release ändern könnte, von dem auch einige Songs gespielt wurden), aber was die Band live so abzieht, ist immer absolut sehens- und hörenswert. Der gut bei Stimme befindliche Shouter Daniel Baptista nutzte die Ansagen zwischen den Songs mal wieder für witzige, verbale Pöbeleien, David Helmstetter ist ohne Zweifel einer der coolsten Basser des deutschen Metalundergrounds und auch der Rest der Mannschaft konnte durch die Bank überzeugen. Songs wie „New War“ und „Reflections Of Pain“ animierten nicht nur einige Köpfe zum traditionellen Frisurschütteln, sondern auch Kollege Mr. Vandemar zum bangenden Luftgitarrespielen – und DAS ist nun ein Anblick, der auf keiner Party fehlen sollte. Wenn man sich auf einem Konzert das volle Thrashbrett geben will, ist auf die Jungs von Verdict eben Verlaß. Bleibt ihnen nur zu wünschen, daß sie mit ihrer kommenden CD auch im großen Rahmen auf sich aufmerksam machen können, denn das Potential für die erste Liga ist hier reichlich vorhanden.
sOULiON
.:Fragments Of Unbecoming:.
Zu Beginn des Auftritts war ich erst mal verwirrt. Da stand doch das Singemännchen von Legacy schon wieder am Mikro und machte den Eindruck, gleich wieder loslegen zu wollen. Aber die Jungs an den Instrumenten sahen irgendwie anders aus als vorher, also doch andere Band? Tatsächlich war der junge Mann am heutigen Abend direkt mit seinen beiden Bands angerückt, was bei eventueller doppelter Gage bestimmt nicht unpraktisch ist, und wollte den Leuten noch mal einheizen. Innerlich auf ähnliches wie bei Legacy eingestellt, wurde ich aber sehr positiv überrascht. Es erklangen herrliche Töne die nur einen Schluss zuließen: Black/Death Metal! Und das in absolut mitreißender Weise. Hier bekam man die ganze Palette, die das Genre so schön macht. Kräftiges aber dennoch melodiöses Riffing, genug Tempo um mit Freude die Haare kreisen zu lassen und genug nordische Kälte um der Stilbezeichnung alle Ehre zu machen. In der Tat waren die nordischen Einflüsse nicht zu überhören, besonders Schweden ließ grüßen. Man könnte sagen ein es klang ein wenig wie alte Dissection auf einem Tagesausflug nach Göteborg. Es wurden einem mit aller Kraft durchaus komplexe Songstrukturen entgegengeprügelt, von der treibenden Double-Bass des Drummers beflügelt, die einem in Fleisch und Blut übergingen. Und das alles in Reinkultur, denn auf Unterstützung seitens der Tastenfront wurde verzichtet. Da es der Fronter verstand stimmlich genug Abwechslung zu erzeugen, um nicht genau wie bei seinem anderen Projekt zu klingen wurde das ganze schön durch Geshoute in verschiedenen Stimmlagen, unter Hilfestellung der Stimme des Rhythmusgitarristen, abgerundet. Obwohl für mich definitiv das Highlight des bisherigen Abends, wurde der ambitionierte Auftritt vom Publikum leider nicht in dem Maße gewürdigt, in dem es Fragments Of Unbecoming meiner Meinung nach verdient hätten. Die Meute wollte es an dem Abend schlicht brutaler, um nicht zu sagen sie wollten kopflosen Krach. Schade, denn musikalisch hatten es die Jungs absolut drauf.
Mr.Vandemar
.:Despondency:.
Wer Friesland nur von Witzen her kennt, konnte sich an diesem Abend ein wenig Erdkundeunterricht der Grind/Death-igen Art zu Gemüte führen. Mit den nordisch-herben Despondecy, die aufgrund hochklassiger Genreveröffentlichungen die Headlinerposition mehr als verdient hatten. Und das merkte man auch an den anwesenden Metalheads, denn zum ersten Mal an diesem Abend kam hier so etwas wie ein richtiger Hexenkessel auf. Meine persönliche Begeisterung hielt sich in Grenzen, denn wenn die Vocals nur aus einer undefinierbaren Aneinanderkettung von geröchtelten „Üh üh üh üh üh“ und „Öööööh“ - Lauten bestehen, kann mir das schon ziemlich die brutale Deathmetalsuppe versalzen. Zumal ich die nächsten Tage erstmal imense Schwierigkeiten beim Fleischverzehr hatte, weil ich immer an das bestialische Abschlachten kleiner, süßer Schweinchen denken mußte, an das der Gesang des Despondency Fronters zweifellos erinnerte. Aber nichtsdesdotrotz lieferten die Friesen eine deftige Show ab, die der Meute das gab, was sie brauchte und sogar einen versifften Fan (wobei ich mir bei dem fast sicher war, daß der eh nicht mehr mitbekam, welche Musik da gespielt wurde) mit runtergelassenen Hosen auf die Bühne brachte, um über seine sexuellen Vorlieben Auskunft zu geben. Was mir als amüsant und auch ein bißchen lästig reinlief, gestaltete sich für viele Kids als DAS Highlight des Abends, bei dem auch der Veranstalter ordentlich am abfeiern war. Der Igel konnte also wieder von der Bürste steigen – Geschmackssache eben.
.:Fazit:.
Alles in allem bot auch das dritte Insane Insanity wieder jede Menge Undergroundfutter im Winzformat und dürfte auch weiterhin ein heißer Tip, gerade in Sachen Grind/Death, bleiben. Die Organisation war, obwohl es immer noch ein Amateurevent ist, diesmal schon routinierter und wirkliche Pannen (wenn man mal von einigen Alkoholabstürzen anwesender Personen absieht) gab es auch nicht. Die Stilvielfalt war bunt gewürfelt, obwohl der Hauptaugenmerk auch diesmal wieder auf stark grindigem Todesblei lag, und bandtechnisch gab es hier für viele neues, sowie bewährtes zu entdecken. Auch wenn sich für uns Schreiberlinge (Grindexperte Trabi war an diesem Abend leider verhindert) aufgrund unserer musikalischen Preferenzen hier ein durchwachsener Abend bot, hatten wir einiges an SPASS (was nicht zuletzt an unserer charmanten, weiblichen Begleitung lag, die an dieser Stelle mal herzlich gegrüßt wird) und können so guten Gewissens behaupten, daß sich der Trip gelohnt hat.
sOULiON
Ps : Aufgrund von beidseitig fehlendem, technischen Gerät, war es uns leider nicht möglich, an diesem Abend Erinnerungsfotos zu schießen. Wer Bilder vom Event gemacht hat und diese mit namentlicher Erwähnung in unserem Bericht sehen möchte, kann sie gerne an soulion@metalnews.de schicken.
(in order of appearance) Mr. Vandemar, sOULiON
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